Nachhaltigkeit

Utopie Konferenz 2018 – Von utopischen Gedanken und nachhaltigen Taten

Vom: 29.08.18
Fotos: Tobias Köppen
Text: Tobias Köppen

Ein Rückblick auf eine Konferenz zwischen Ohnmacht und Tatendrang

In was für einer Welt möchte ich zukünftig leben? Wie und von wo möchte ich arbeiten? Was können wir kurz- und langfristig ändern, um die Zustände auf dieser Welt zu ändern?

Um diese Fragen sollte sich die dreitägige Utopie Konferenz mit dem Motto „Wie wollen wir übermorgen zusammenleben?“ auf dem Campus der Leuphana Universität in Lüneburg drehen. Ohne konkrete Erwartungen aber mit eben jenen Fragen im Kopf schwang ich mich am 23.08.2018 auf mein Fahrrad und radelte zum Campus. Volle Utopie voraus!

Durch Graphic Recording wurden die Kernaussagen der Veranstaltungen simultan visualisiert.

Wie wollen wir im Jahr 2025 leben?

Teilnehmer und Speaker unterschiedlichster Hintergründe, Interessen, Alter und Ziele aus dem deutschsprachigen Raum waren dem Aufruf des Philosophen Richard David Precht gefolgt und fanden sich nun im Zentralgebäude der Universität zusammen, um gemeinsam Utopien einer subjektiv besseren Welt zu kreieren und zu diskutieren.

Das Publikum, hauptsächlich different in Lebens- und Arbeitserfahrung, vereinte ein hoher Bildungsgrad und die Sehnsucht nach „einer besseren Welt.“ Von jungen Studenten bis hin zu Rentnern und Ex-Vorstandsmitgliedern über Arbeitssuchende mit Geschäftsideen, Lehrer und Start-Up Gründern über Social Entrepreneurs, Alt-68iger und Weltenbummler vereinte alle der Wunsch nach mehr Gerechtigkeit und Chancengleichheit auf der Welt sowie eine Angst vor Klimawandel, Machtmissbrauch und der Zerstörung der Natur.

Utopie Konferenz 2018 Auditorium Bühne mit Europa-Vordenkerin Ulrike Guérot, Daniel Lang, Richard David Precht, Manuela Bojadžijev und Oliver Nachtwey.

Im Diskurs über Konturen der Krise. Von links: Europa-Vordenkerin Ulrike Guérot, Nachhaltigkeitswissenschaftler Daniel Lang, Moderator Richard David Precht, Migrationsforscherin Manuela Bojadžijev und Soziologe Oliver Nachtwey.

Bedingungsloses Grundeinkommen. Digitalisierung. Mobilität. Und weitere Themen.

Die Themen der drei Tage aus Diskussionen, Vorträgen und Workshops waren so unterschiedlich wie die Geisteshaltung der einzelnen Teilnehmer: Bedingungsloses Grundeinkommen (sehr populär). Mobilität in den Städten. Wachstumsdogma des Kapitalismus. Republik Europa. Bildung. Digitalisierung. Solidarische Landwirtschaft. Remote Work. Leben auf dem Land. Klimawandel und viele weitere Themen, einzusehen auf der Website der Leuphana.

Auch wenn es eine Utopie-Konferenz war, auf der besonders das freie Denken und der Austausch befördert werden sollte, hätten ein paar Grenzen sich zielführender auf die Gespräche ausgewirkt. Leider drehten sich einige Gespräche um die Definition und Einigung auf bestimmte Begriffen wie beispielsweise Nachhaltigkeit oder Menschenrechte. Eine Möglichkeit wäre gewesen sich auf die 17 Nachhaltigkeitsziele der UN zu einigen, um so ein gemeinsames Fundament für die Gespräche in den Workshops, Podiumsdiskussionen und den Mittagspausen in der „Oase“ zu haben und um schneller mögliche Lösungsansätze erarbeiten zu können.

Dadurch ergeben sich große Chancen für die Welt: Demokratisierung und Digitalisierung.

Da die Ergebnisse einer dreitägigen Konferenz schwer in einem Blogartikel zusammenzufassen sind, möchte ich hier weniger die einzelnen Diskussionen im Detail beleuchten, sondern viel mehr Vordenker und Utopiegeber vorstellen, die mich auf der Konferenz durch ihre Ideen, Initiativen und ihr Handeln beeindruckt haben.

Wer dennoch tiefer eintauchen möchte: Zwei Veranstaltungen wurden live online übertragen. Weiteres Material der Utopie-Konferenz wird bestimmt in den folgenden Tagen von der Leuphana Universität veröffentlicht werden.

Eine Liste mit Personen gelebter Utopien und futuristischer Vordenker (mit Mut zur Lücke):

Benjamin Adrion (Viva con Aqua): Setzt sich u.a. durch den Verkauf von Wasserflaschen für den Bau von Brunnen ein, ohne dabei auf Spaß und Produktqualität zu verzichten. www.vivaconagua.org

Jakob Berndt (ToMoRRoW): Der Mitgründer von Lemonaid und Charitea hat die moderne Banking-App ToMoRRoW mitentwickelt, die einfaches Banking und Umweltschutz verbindet. N26 trifft auf GLS Bank. www.tomorrow.one

Anke Domscheit-Berg (Netzaktivistin): u.a. netzpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag; Gründerin des offene Innovationslabor havel:lab, in dem u.a. Kinder der Spaß an Informatik beigebracht wird. anke.domscheit-berg.de  www.havellab.org

Daniel Domscheit-Berg (Netzaktivist und Mitgründer von WikiLeaks): Setzt sich für den Ausbau von Glasfaserkabeln in Deutschland und für Datenhoheit, Informationsfreiheit und Transparenz im Internet ein; Mitgründer von havel:lab in Brandenburg www.econ-referenten.de/daniel-domscheit-berg/  www.havellab.org

Maja Göpel (Vordenkerin Umwelt): Generalsekretärin des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Global Umweltveränderungen (WBGU); Autorin des Buches „The Great Mindshift“ über Zukunftsgerechtigkeit und neuen Wirtschaftsmodelle. twitter.com/beyond_ideology

Ulrike Guérot (Professorin): Autorin u.a. der Bücher „Warum Europa eine Republik werden muss! Eine politische Utopie“ und „Der Neue Bürgerkrieg – Das offene Europa und seine Feinde“. twitter.com/ulrikeguerot

Kübra Gümüşay (Intellektuelle Reinigungskraft): Aktivistin, Autorin und Referentin zu den Themen Internet, Politik, Feminismus, Rassismus & Islam. Blog: ein-fremdwoerterbuch.com

Reinhard Kahl (Journalist und Filmemacher): Gründer des Netzwerks „Archiv der Zukunft“, Erziehungswissenschaftler und Vordenker rund um das Thema Bildung und Kultur. www.reinhardkahl.de

Lasse Kroll (cuckoo): Neue Arbeitsformen, Vernetzung und ortsunabhängiges Arbeiten sind Lasses Lieblingsthemen. Diese Themen denkt er als Mitgründer cuckoo weiter. cuckoo.work/

Corinna Krome (mosaique): Initiatorin des mosaique – Haus der Kulturen in Lüneburg. Ein Haus in dem der Mensch im Vordergrund steht. Offen für Menschen jeglicher Herkunft, Altersgruppe, soziale Hintergründe, Kulturen und Religionen. mosaique-lueneburg.de/projekt/charta/

Uwe Lübbermann (u.a. Premium-Cola): Vordenker der Konsensdemokratie. Unternehmen brauchen kein strengen Hierarchien und Gehaltsunterschiede, um erfolgreich zu sein. www.premium-cola.de/betriebssystem

Matti Pannenbäcker (WirGarten): Selbstständiger Organisationsberater, Begleiter von UnternehmerInnen in Flüchtlingscamps, Akteur der solidarische Landwirtschaft, Mitgründer und Vorstand bei der Gemüse Genossenschaft wirgarten.com

Patrick Lempke (Aquaponic): Pionier Urban Farming, der die Lebensmittel-Herstellung von Fisch und Gemüse in Hydrokultur durch das Kreislaufsystem verändern möchte. instagram.com/aquaponic_planet/

Ströbele (Alt-68er, Grünen Politiker): Hat miterlebt, dass Utopien manchmal lange dauern bis zur Umsetzung, aber es sich lohnt zu kämpfen u.a. gleichgeschlechtliche Ehe. www.stroebele-online.de

Van Bo Le-Mentzel (Architekt und Autor): Gründer mehrerer Intitativen zwischen sozialer Teilhabe, Bildung und Design (Hartz IV Möbel, Tinyhouse University, Open Schoool). Architekt des Tinyhouses auf dem Campus Lüneburg. Lebt mit seiner Familie in einem Tinyhouse in Berlin. www.tinytownurania.de

Harald Welzer (Soziologe und Autor): Mitbegründer und Direktor von „Futur Zwei. Stiftung Zukunftsfähigkeit“. Autor von zahlreichen Büchern wie „Klimakriege. Wofür im 21. Jahrhundert getötet wird“, „Selbst denken. Eine Anleitung zum Widerstand“ oder „Die smarte Diktatur. Der Angriff auf unsere Freiheit“. www.kwi-nrw.de/profil-hwelzer

Neben diesen ausgewählten Menschen gab es noch weitere spannende Personen, die für viele ein Vorbild sein können. Alle Speaker und Workshop-Leiter der Konferenz hier. www.leuphana.de/utopie-konferenz/gaeste


Optimistisch bleiben. Dinge sind veränderbar und jeder einzelne Mensch kann einen Teil dazu beitragen.

Fazit nach drei Tagen Utopie Konferenz

Noch nie ging es der Gesellschaft in Deutschland objektiv so gut, wie in der heutigen Zeit, was Zugang zu Wissen, Lebenserwartung und Kindersterblichkeit angeht. Dennoch sollten wir den Status Quo überdenken und neue Modelle für die Zukunft entwickeln, um eben jenen Wohlstand zu halten und weltweit auszubauen, denn der Kapitalismus und seine Folgeerscheinung machen keinen Urlaub. Jeder Mensch sollte sich so viel Wissen wie möglich über die ökonomischen Zusammenhänge und die Folgen seines Verhaltens und seines Konsums auf der Welt aneignen und daraus Konsequenzen ziehen – ob persönlich oder gesellschaftlich.

Wichtig ist mir dabei zu betonen, dass man anderen Menschen die eigenen Art zu Leben und zu Handeln nicht vorschreiben sollte. Jeder kann und sollte sein Wissen durch Gespräche teilen und andere inspirieren, ohne jedoch dabei anderen seine Lebensansichten aufzudrängen.

Was mir diese Konferenz aber vor allem aufgezeigt hat, ist die große Anzahl an Mitdenkern: Es gibt genügend Verbündete, die deine Utopie bereits jetzt teilen und hart dafür arbeiten. Verknüpft dich mit diesen. Baue ein Netzwerk auf und überlege nicht zu lange, welchen Hebel du betätigen möchtest. Schaue was dich interessierst, wen du kennt, was du kannst und fange an.

Jeder Mensch, der diesen Artikel liest, fängt an über seine Wirkung auf der Welt nachzudenken und verändert sein Verhalten Schritt für Schritt. Meine Utopie 2018.