Nachhaltigkeit

Umweltfreundliche Websites entwickeln 

Vom: 13.09.18
Fotos: Nils Junker
Text: Jane Telkmann

Alles grün im Internet? Über Nachhaltigkeit im Web

Durch die Digitalisierung sparen wir jede Menge Papier und Postwege. Also alles gut, alles grün, alles nachhaltig – möchte man meinen. Doch spätestens nach der Hochrechnung des Stromverbrauchs von Kryptowährungen wie Bitcoin (variiert zwischen 9 und 45 Terrawattstunden) wird uns langsam bewusst, dass Technologie Energie verbraucht – und zwar nicht gerade wenig. Inzwischen haben unsere Onlineaktivitäten einen ähnlich großen ökologischen Fußabdruck wie der globale Luftverkehr. Können wir also auch im Web nachhaltig handeln? Was sind die großen „Klimakiller“ im Web? Und wie entwickelt man nachhaltiges Webdesign?

Wie funktioniert Nachhaltigkeit im Web?

Um unseren ökologischen Fußabdruck zu messen, geben wir an, wie viele Kilometer wir im Jahr zurücklegen, wo wir wohnen und wie wir uns ernähren. Doch wie viel wir surfen, wie lange wir streamen oder chatten wird kaum berücksichtigt. Denn all die Bytes, die wir im Internet abrufen, landen nicht auf unserer Stromrechnung. Im Hintergrund laufen riesige Rechenzentren, um Katzenvideos jederzeit verfügbar zu machen. Rechenleistung, Kühlung und unterbrechungsfreie Stromversorgung von tausenden Servern kosten Unmengen an Energie. Die Kommunikations- und Informationstechnologie hat im Jahr 2017 in Deutschland ungefähr 47 Milliarden Kilowattstunden Strom verbraucht. Die Tendenz ist ganz klar steigend.

Co2 Austsoß von Websites berechnen

Auf websitecarbon.com kann der CO2-Ausstoß von Websites gemessen werden. Amazon hat laut Statista 4153 Millionen Besucher monatlich und verbraucht somit so viel CO2, wie 4.385.649 Sumoringer wiegen. (Bild: Screenshot www.websitecarbon.com)

Die Lösung: Green IT

Der Klimakiller im Web hat also einen Namen: Bit. Je mehr Daten transferiert werden, desto höher ist der Energieverbrauch und damit der CO2-Ausstoß. Schadensbegrenzung kann durch Green Hosting betrieben werden. Die Website liegt dann bei einem Hoster, der mit Ökostrom arbeitet, auf effiziente Klimatisierung setzt und ein eigenes Rechenzentrum betreibt. So bestimmt der Hoster, von wem er den Ökostrom bezieht und welche Produkte er einsetzt. Grünes Hosting mit eigenen Rechenzentren in Deutschland ist zum Beispiel bei Biohost oder Mittwald möglich.

Doch wie kann an der Ursache, dem riesigen Datentransfer, gearbeitet werden? Nun, man könnte allen Menschen auferlegen, weniger zu surfen. Oder man geht das Problem von der anderen Seite an: Ursachenbekämpfung durch das Entwickeln schlanker, nachhaltiger Websites, die nicht unzählige Bytes beim Laden verbrauchen.

Nachhaltige Websites entwickeln

Eine durchschnittliche Website ist inzwischen 2MB groß. Vor drei Jahren war es noch knapp 1MB. Doch geht es denn überhaupt kleiner, ohne auf schickes Webdesign und gute User Experience zu verzichten?

Jack Lennox hat sich dieser Frage angenommen und eine WordPress Seite über Nachhaltigkeit im Web mit nur 6kb entworfen: sustywp.com. Keine Bilder, Keine Navigationsleiste, eine Webfont, die auf den meisten Geräten bereits vorhanden ist, ein Menü, welches als eigenständige Seite lädt und durch zwei Designelemente wie ein Pop-up wirkt, ein minimales CSS.

This means less HTML, less CSS, and definitely no JavaScript! Win, win, win.

– Jack Lennox über sustywp.com

Herausgekommen ist eine wunderbar schlanke und reduzierte Website mit schneller Ladezeit und gutem Suchmaschinenranking, die zeigt, dass man sich manchmal auf das Wesentliche rückbesinnen sollte. Braucht es wirklich all den Schnickschnack, all die Bits? Sind zehn Bilder wirklich aussagekräftiger als zwei? Wie viele CSS-Klassen braucht es noch? Sustywp.com wirkliche Inspiration für effizientes, umweltfreundliches Webdesign, welches zudem benutzerfreundlich und barrierefrei ist. So geht also Nachhaltigkeit im Web.

Ihr wollt schauen, wie grün eure Website ist oder was die Konkurrenz macht?

Auf ecograder.com können Websites auf verschiedene Kriterien hin untersucht werden. Seitengeschwindigkeit und Nachhaltigkeit gehen dabei Hand in Hand.

Auf websitecarbon.com kann der CO2-Ausstoß von Websites anhand der übermittelten Datenmenge, Energiequelle des Rechenzentrums und den monatlichen Besuchern gemessen werden.

Auf clickclean.org könnt ihr schauen, welche populären Seiten und Apps mit grünem Strom betrieben werden.